Berlin, Friedrichshain, 25. Juni 2026 – Ein Ort, der für viele wie ein zweites Zuhause wirkt, steht auf der Kippe. Das RAW-Gelände, ein pulsierendes Zentrum der Berliner Partykultur und ein Hort kreativer Entfaltung, sieht sich einer ungewissen Zukunft gegenüber. Hier haben sich über die Jahre Clubs, Kneipen, Ateliers und Sportangebote angesiedelt und ein lebendiges Miteinander geschaffen, das viele Menschen anzieht. Doch jetzt droht die Kurth-Gruppe, die Eigentümerin des Geländes, das Rad der Zeit zurückzudrehen und die Mieter, darunter der beliebte Club Cassiopeia, zum kurzfristigen Auszug aufzufordern. Der Aufschrei der Anwohner und Nutzer ist laut und klar: „RAW für alle – Cassiopeia & Co. müssen bleiben“ – so lautete das Motto einer Protestaktion, die kürzlich vor dem Büro der Kurth-Gruppe stattfand.

Benjamin Kiepurning, ein Mitarbeiter des Cassiopeia, bringt es auf den Punkt, wenn er sagt, dass das Gelände für viele wie ein Zuhause ist. Es ist nicht nur ein Ort zum Feiern, sondern auch ein Raum für Gemeinschaft und Kultur. Die Verhandlungen über die Zukunft des Geländes sind seit über einem Jahrzehnt im Gange. Doch die Situation hat sich kürzlich zugespitzt: Die Kurth-Gruppe erklärte die Gespräche mit dem Senat und dem Bezirksamt für gescheitert. Der private Eigentümer fühlt sich von den geforderten Inhalten distanziert und kritisiert einseitige Forderungen. Diese Unsicherheit, gepaart mit Räumungsaufforderungen, macht die Lage für alle Beteiligten besonders angespannt. Das Cassiopeia könnte bereits nächste Woche schließen, was für die Betreiber eine existenzielle Bedrohung darstellt.

Ein kultureller Schatz steht auf der Kippe

Der Bezirk und die Senatsverwaltung sind sich der Dramatik bewusst und fordern die Kurth-Gruppe auf, zurück an den Verhandlungstisch zu kommen. Jens Schwan, Sprecher des Soziokulturellen L (SKL), zeigt Unverständnis für die Weigerung der Kurth-Gruppe, Gespräche zu führen, und betont die Wichtigkeit dieses Kulturstandorts. Auch Florian Schmidt, der Stadtrat für Bauen, appelliert an den Eigentümer. Gleichzeitig gibt es einen Lichtblick: Der Senat plant, erneut auf die Kurth-Gruppe zuzugehen und einen Klärungsversuch zu starten. Eine Petition wurde ins Leben gerufen, um Druck auf die Entscheidungsträger auszuüben. Es bleibt zu hoffen, dass dies die Wende bringen kann, die notwendig ist, um die kulturelle Vielfalt und das kreative Potential des RAW-Geländes zu bewahren.

Obwohl die Kurth-Gruppe räumungsauffordernde Maßnahmen ergreift, liegt ein Verhandlungsangebot des Senats und des Bezirks vor. Der Rahmenvertrag, der im Mai präsentiert wurde, sieht eine langfristige Sicherung des SKL über einen Generalmietvertrag für 30 Jahre vor. Er bietet auch finanzielle Unterstützung für Investitionen an. Doch die Kurth-Gruppe hat diesen Vorschlag abgelehnt, da er wesentliche Punkte der vorherigen Vereinbarungen ignoriert. Die Geduld der Anwohner und Nutzer ist am Ende. „Wir können nicht einfach zusehen, wie ein Ort, der für so viele von uns von Bedeutung ist, verloren geht,“ sagt ein junger Besucher des Cassiopeia. Und das ist die Essenz des Problems: Der Erhalt von Kultur und Gemeinschaft steht auf dem Spiel.

Transformation oder Verlust?

Berlin hat in den letzten Jahren zahlreiche historische Orte in moderne Wohn- und Kulturquartiere umgewandelt. Ziel ist es, die Vergangenheit mit der Zukunft zu verknüpfen. Aber was passiert, wenn diese Transformation auf Kosten der bestehenden Kulturszene geht? Projekte wie die Umwandlung des ehemaligen Quelle-Kaufhauses in Neukölln oder die geschichtsträchtige Geschützgießerei in Spandau zeigen, dass ein Gleichgewicht zwischen Erhalt und Neubau möglich ist. Doch im Fall des RAW-Geländes scheinen die Interessen weit auseinander zu klaffen. Der Bau von Wohnungen auf dem Gelände ist eine zentrale Streitfrage – ein Konflikt zwischen Wohnraum und kulturellem Erbe.

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Die Widersprüche zwischen den Bedürfnissen der Stadtentwicklung und dem Erhalt von Kulturstätten sind nicht neu. „Wir müssen uns überlegen, was wir verlieren, wenn wir nur an das Wachstum denken“, sagt ein Anwohner, während er einen Blick auf die historischen Hallen wirft. Die Frage bleibt: Ist der Verlust eines kulturellen Schatzes der Preis, den wir für neues Wohnen zahlen wollen? In einer Stadt, die sich ständig verändert und weiterentwickelt, ist der Balanceakt zwischen Vergangenheit und Zukunft eine Herausforderung, die nicht ignoriert werden kann.

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