Am 1. Mai 2023 war Berlin wieder einmal im Ausnahmezustand. Zehntausende Menschen strömten durch die Straßen, um den traditionellen Feiertag zu feiern. Doch nach dem bunten Treiben blieb ein gewaltiges Erbe zurück: etwa 350 Kubikmeter Müll! Das ist fast doppelt so viel wie im Vorjahr, als die Stadtreinigung mit 183 Kubikmetern noch vergleichsweise gut davonkam. Die Berliner Stadtreinigung (BSR) musste mit einem Aufgebot von 170 Mitarbeitern und 70 Fahrzeugen in die Schlacht ziehen, um die Hinterlassenschaften der Feiernden in Kreuzberg, Treptow und Prenzlauer Berg zu beseitigen.

Besonders hart traf es dabei den Görlitzer Park, den Mauerpark, den Treptower Park und den Volkspark Friedrichshain. Diese Plätze waren nach den Feierlichkeiten stark verschmutzt. Während die Mai-Demos weitgehend ruhig abliefen, kam es im Volkspark Friedrichshain zu einem Vorfall, bei dem ein Polizist von einer Gruppe angegriffen wurde. Solche Auseinandersetzungen sind natürlich nicht das, was man sich für einen Feiertag wünscht. Und als ob das nicht genug wäre, hatte der Rettungsdienst an diesem Tag gleich 1657 Einsätze zu bewältigen. Im Görlitzer Park wurde sogar eine Verletzten-Sammelstelle eingerichtet, um den Menschenmengen gerecht zu werden, da die Zufahrtswege für die Rettungsfahrzeuge versperrt waren.

Müllmanagement im Fokus

Ein massives Müllproblem bei Großveranstaltungen ist kein neues Phänomen. In Berlin fallen jährlich rund 1.600 Tonnen Abfall bei öffentlichen Veranstaltungen an. Davon entfallen allein 750 Tonnen auf Großveranstaltungen mit mehr als 100.000 Besucherinnen. Dabei wäre ein Großteil dieses Abfalls vermeid- oder sogar verwertbar. Um dem entgegenzuwirken, wurde im November 2022 eine digitale Plattform für „abfallarme Großveranstaltungen“ ins Leben gerufen. Der aktualisierte Leitfaden wurde im Rahmen der Berliner Zero-Waste Strategie überarbeitet und enthält konkrete und bindende Handlungsanweisungen für Behörden, Veranstalterinnen und beteiligte Unternehmen, wie Caterer oder Subunternehmer.

Dieser Leitfaden soll helfen, Abfälle bei Großveranstaltungen auf öffentlichen Flächen zu vermeiden und nicht vermeidbare Abfälle sortenrein zu trennen. Wie wichtig das ist, zeigt die Erfahrung aus dem 1. Mai: Wenn die Stadt und ihre Bewohner gemeinsam an einem Strang ziehen, kann das Müllproblem vielleicht endlich in den Griff bekommen werden. Weitere Informationen zu dieser Initiative sind unter abfallarmeveranstaltungen-berlin.de zu finden.