Heute ist der 21.05.2026 und in Kreuzberg, genauer gesagt am Wassertorplatz, sieht die Wohnsituation für viele Anwohnerinnen alles andere als rosig aus. Fast 100 von rund 300 Wohnungen stehen leer. Diese ungenutzten Räume sind nicht einfach nur leer – sie sind ein echtes Ärgernis. Die Wassertorstraße 65 und 10 sowie die Bergfriedstraße 11 bis 19 zeigen ein Bild der Verwahrlosung. Die Häuser sind ungesichert und damit einladend für ungebetene Gäste, darunter wohnungslose Menschen, die sich in die verlassenen Gebäude drängen. Die Mieterinnen fühlen sich von der Gewobag und der Politik im Stich gelassen. Wo bleibt die Unterstützung?

Die Anwohnerinnen haben sich jedoch nicht damit abgefunden. Sie haben ein Netzwerk gegründet, um sich gegenseitig zu unterstützen und nächtliche Rundgänge zu organisieren. In einer WhatsApp-Gruppe mit über 100 Mitgliedern koordinieren sie ihre Aktivitäten, entfernen Müll und dokumentieren Schäden. Es sollte nicht sein, dass die Bewohnerinnen selbst für die Sicherheit sorgen müssen, aber die Gewobag hat auf ihre Anfragen oft nur spät reagiert. Ein Sicherheitsdienst wurde erst nach einigen Medienberichten eingesetzt. Die Unsicherheit ist greifbar. Die Grünanlage am Wassertorplatz, einst ein Rückzugsort, hat sich zur Drehscheibe der Drogenszene entwickelt. Spritzen und Konsumbesteck liegen herum, und die Treppenhäuser sind verwahrlost – Fäkalspuren und Blut sind keine Seltenheit.

Ein Teufelskreis der Intransparenz

Die Gewobag erklärt den Leerstand mit geplanten Sanierungsmaßnahmen, deren Baubeginn für Ende Q2 2026 angesetzt ist. Doch viele Mieterinnen sind skeptisch, ob diese Maßnahmen wirklich umgesetzt werden. Ein Termin, zu dem die Bewohnerinnen die Gewobag eingeladen hatten, wurde einfach nicht wahrgenommen. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat den erhöhten Leerstand bestätigt und genehmigt, dass die Leerstände bis zum 31. Juli 2026 bestehen bleiben. Diese Intransparenz und das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden, sind für die Hausgemeinschaft frustrierend.

Bundestagsabgeordneter Pascal Meiser hat die Situation ebenfalls in den Blick genommen und sieht sie als Teil eines größeren Problems der Obdachlosigkeit. Er kritisiert die Gewobag für mangelnde Verantwortung und fordert stärkere Kontrollen vor Ort sowie den Ausbau der Sucht- und Obdachlosenhilfe. Die Berliner Linksfraktion plant, den Fall auf Senatsebene anzusprechen und die Eigentümer stärker in die Pflicht zu nehmen. Es bleibt abzuwarten, ob diese politischen Schritte tatsächlich greifbare Veränderungen mit sich bringen.

Der Wohnraummangel in Deutschland

Die Situation am Wassertorplatz ist nicht isoliert. Ganz Deutschland kämpft mit einem massiven Wohnraummangel. Eine Studie im Auftrag des Verbändebündnisses „Soziales Wohnen“, die Anfang Februar 2025 veröffentlicht wurde, zeigt auf, dass bundesweit gut 550.000 Wohnungen fehlen. Dies ist vor allem auf den Anstieg des Wohnraumbedarfs durch hohe Zuwanderungszahlen in den letzten Jahren zurückzuführen. Gleichzeitig stehen viele Wohnungen leer – ein klassischer Fall von Missmanagement. In Großstädten wie Berlin und Hamburg stehen jede dritte leerstehende Wohnung länger als ein Jahr leer.

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In Berlin leben 52% der Menschen zur Miete, Tendenz steigend, während die Mieten zwischen 2010 und 2022 um fast 70% gestiegen sind. Im Jahr 2022 gaben Mieterhaushalte durchschnittlich 28% ihres Haushaltsnettoeinkommens für Miete aus. Ein Drittel der Mieterhaushalte ist somit bereits stark belastet, und die Zahl der Wohngeldempfänger steigt. Die Bundesregierung hatte zwar das Ziel, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu bauen, doch die Realität sieht anders aus – 2023 wurden nur 294.400 Neubauten realisiert.

Die Gründe für die niedrige Bautätigkeit sind vielfältig: gestiegene Zinsen, hohe Baukosten und langwierige Genehmigungsverfahren. Die Ampelregierung hat zwar 2024 eine neue Wohngemeinnützigkeit eingeführt, um soziale Unternehmen im Wohnungsbau zu fördern, doch ob dies ausreicht, um die drängenden Probleme zu lösen? Das bleibt fraglich. Was bleibt, ist das Gefühl der Unsicherheit und der Ungewissheit – sowohl für die Anwohnerinnen am Wassertorplatz als auch für viele andere Mieterinnen in Berlin und darüber hinaus.