In Friedrichshain-Kreuzberg gibt es frischen Wind für queere Themen! Das Bezirksamt hat kürzlich die Stelle eines „Queer-Beauftragten“ neu besetzt, und mit Kjell Seeger hat man sich einen Experten geangelt. Seeger bringt nicht nur frische Ideen mit, sondern auch viel Erfahrung aus seiner vorherigen Tätigkeit beim Bildungsprojekt „queer@school“ des Jugendnetzwerks Lambda Berlin-Brandenburg. Die Mission? Queere Anliegen in der Verwaltung verankern und die Community vor Ort unterstützen – das klingt nach einem Schritt in die richtige Richtung!

Die Herausforderungen sind allerdings nicht zu unterschätzen. Queerfeindlichkeit ist ein großes Thema, und Seeger hat klar erkannt, dass es hier viel zu tun gibt. Die ersten Pläne sehen eine regelmäßige Vernetzungsrunde im Bezirksamt mit queeren Trägern vor. Auch ein Fachtag zur Gewaltprävention soll im kommenden Jahr stattfinden. Diese Vernetzungsaktionen sind wichtig, denn die Anzahl queerfeindlicher Vorfälle ist alarmierend. Laut der Beratungsstelle Maneo wurden 2025 in Berlin 723 solche Vorfälle registriert – ein kleiner Rückgang im Vergleich zu 2024, als 738 Fälle gemeldet wurden.

Eine dunkle Realität

Die Zahlen von Maneo sprechen eine klare Sprache: Obwohl die dokumentierten Fälle erschreckend sind, wird das Dunkelfeld auf 80 bis 90 Prozent geschätzt. Viele Betroffene trauen sich nicht, Vorfälle zu melden – sei es aus Angst vor Diskriminierung oder weil sie in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Behörden gemacht haben. Ein Beispiel aus dem Bericht macht deutlich, wie brutal es zugehen kann: Ein schwules Paar wurde nach einem Kuss in einem Uber beleidigt und aus dem Fahrzeug geworfen. Solche Geschichten sind leider keine Seltenheit.

Die häufigsten Delikte sind Nötigungen und Bedrohungen, gefolgt von Beleidigungen und Körperverletzungen. Besonders betroffen sind Orte wie Schöneberg, Neukölln und Kreuzberg, wo die queere Community besonders sichtbar ist. In Friedrichshain selbst wurden 30 Übergriffe gemeldet. Die Atmosphäre in der Stadt ist also nicht so bunt und fröhlich, wie es manchmal scheinen mag. Selbst queere Räume und Veranstaltungen bleiben nicht verschont – 58 Vorfälle, bei denen Gedenkorte oder Szene-Events angegriffen wurden, zeigen die brutale Realität.

Ein großer Schritt nach vorn

Seeger selbst bezeichnet seine neue Rolle als „nur ein kleines Puzzleteil“ in einem viel größeren Bild. Es braucht mehr als nur einen Beauftragten, um die Situation für queere Menschen nachhaltig zu verbessern. Der Berliner Senat arbeitet an einer „Landesstrategie für queere Sicherheit“, die gemeinsam mit der Community entwickelt wird. Eine gute Nachricht, denn die Sicherheit von LSBTIQ+ Personen muss endlich ernst genommen werden. Der Runde Tisch zum Thema „Schutz vor queerfeindlicher Hasskriminalität“ hat bereits erste Empfehlungen erarbeitet, die im kommenden Jahr umgesetzt werden sollen.

Während die Amtszeit des bisherigen Landes-Queerbeauftragten Alfonso Pantisano am 29. Oktober endet, bleibt die Hoffnung, dass mit Kjell Seeger und der Unterstützung durch neue Strategien der Wandel in Berlin spürbar wird. Die queere Community hat viel durchgemacht und kämpft weiterhin für Sichtbarkeit und Sicherheit. Die ergriffenen Maßnahmen sind ein guter Anfang, aber sie müssen auch in der Praxis ankommen. Denn letztendlich zählt nicht nur, was auf dem Papier steht, sondern was in den Leben der Menschen geschieht.