Görlitzer Park: Von der Zaunpolitik zur menschenzentrierten Drogenstrategie
Im Herzen von Friedrichshain-Kreuzberg tut sich etwas Spannendes im Görlitzer Park. Das Bündnis „Görli zaunfrei“ hat zusammen mit Anwohnenden und sozialen Trägern ein Konzept mit dem Titel „Görli to the Future – Zukunft statt Zaun“ erarbeitet. Statt den beliebten Park ab dem 1. März 2026 nachts zu schließen (was ja gerade auch für den Sommer etwas unsinnig erscheint), schlagen sie vor, ein vielfältiges Netz an Angeboten zu schaffen. Darunter fallen aufsuchende Sozialarbeit, medizinische Hilfe, ein betreuter Drogenkonsumraum und sogar die Tolerierung des Mikrohandels mit Drogen in klar definierten Bereichen. Das klingt nach einem mutigen Schritt, oder? Mehr als 70 Anwohnende haben sich an der Entwicklung des 18-seitigen Konzeptes beteiligt.
Die Idee, den Park nicht einfach mit einem Zaun abzuschotten, sondern aktiv an der Lösung der sozialen Konflikte zu arbeiten, ist bemerkenswert. Denn wie wir wissen, gibt es im Görlitzer Park nicht nur Kriminalität, sondern auch Raum für Spiel, Sport und Begegnungen. Ein offener Park für alle, geprägt von Achtsamkeit und Respekt – das ist die Vision. Der Senat hatte ursprünglich eine nächtliche Schließung geplant, die jedoch durch ein Urteil des Verwaltungsgerichts am 1. Juni 2026 vorerst gestoppt wurde. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte diese Entscheidung am 1. Oktober. Der Zaun mit seinen 16 Drehtoren steht zwar noch, aber die Tore sind geöffnet, und die Anwohnenden kämpfen für dessen Rückbau.
Ein ganzheitlicher Ansatz für den Görlitzer Park
Das Konzept setzt auf vier zentrale Module. Da gibt es das Sozialraum-Team, das mit Sozialarbeiter:innen und Peers Konflikte deeskalieren und Menschen in Krisensituationen unterstützen soll. Ein Beratungs- und Gesundheitsangebot bietet nicht nur einen barrierefreien Rückzugsort, sondern auch Lebensmittel, Hygieneartikel und ärztliche Sprechstunden. Besonders interessant ist der geplante betreute Drogenkonsumraum, der im Notfall medizinische Hilfe leisten kann. Sanitärangebote wie barrierefreie Toiletten und Duschen sind ebenfalls Teil des Plans.
Ein erstaunlicher Vorschlag ist die Duldung des Drogenhandels in einem klar begrenzten Bereich. Man könnte fast sagen, das ist ein Schritt in Richtung einer pragmatischen Drogenpolitik, die offene Drogenszenen und Konflikte im öffentlichen Raum reduzieren soll. Auch wenn der konkrete Standort und die Regeln dafür noch festgelegt werden müssen, so zeigt dieser Vorschlag, dass hier offenbar ernsthaft nach Lösungen gesucht wird. In ähnlichen Projekten in Städten wie Zürich hat man bereits gute Erfahrungen gesammelt.
Finanzierung und Zusammenarbeit
Das Konzept sieht einmalige Infrastrukturkosten von rund 220.500 Euro vor und jährlich etwa 672.700 Euro für Personal und Sachmittel. Im Vergleich dazu kostete der Zaun den Senat über 1,7 Millionen Euro. Es stellt sich die Frage, ob diese Investitionen nicht besser in soziale Angebote fließen sollten. Für die Umsetzung ist eine gemeinsame Steuerungsgruppe aus Bezirk, Senat, sozialen Trägern und Nachbarschaft geplant. So ein Ansatz könnte nicht nur den Park, sondern das gesamte Viertel beleben.
Ob der Senat den Vorschlag der Anwohnenden aufgreifen wird, bleibt abzuwarten. Die Verhandlungen zwischen Linken, SPD und Grünen über eine mögliche Koalition könnten hier einen entscheidenden Einfluss haben. Immerhin hatten Linke und Grüne sich bereits gegen den Zaun ausgesprochen. Eine menschenzentrierte Drogenpolitik ist nicht nur lokal von Bedeutung; sie hat auch globale Relevanz. Der Jubiläumsbericht des Brandenburg Forums zu Drogen- und Entwicklungspolitik bekräftigt, wie wichtig es ist, Menschenrechte in der Drogenpolitik zu verankern.
Insgesamt scheint der Görlitzer Park auf dem besten Weg zu sein, sich zu einem Ort zu entwickeln, der nicht nur für seine Besucher:innen, sondern auch für die Anwohnenden ein sicherer und einladender Raum wird. Und wer weiß, vielleicht wird diese Initiative sogar als Vorbild für andere Städte dienen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen.
