In Eisenhüttenstadt, wo die Zeit manchmal stillzustehen scheint, hat vor wenigen Tagen ein einzigartiges Experiment begonnen: das Probewohnen! Fünf Teilnehmer aus Berlin, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben sich aufgemacht, um vier Wochen lang das Leben in dieser ehemaligen sozialistischen Musterstadt der DDR zu testen. Ein Paar, eine Rentnerin, ein Single und ein Familienvater sind dabei, um herauszufinden, ob Eisenhüttenstadt vielleicht ihr neuer Lebensmittelpunkt werden könnte.
Bürgermeister Marko Henke hieß die Gruppe persönlich willkommen – ein freundlicher Empfang, der den ersten Eindruck schon mal aufhellt. Bei Stammtischrunden, Praktika und Gesprächen mit regionalen Unternehmen wird das Leben in der Stadt hautnah erlebt. Es gibt sogar einen Ehrenamtstag! Ein besonderes Highlight: Jeder Teilnehmer hat die Aufgabe, seinen Lieblingsplatz in der Stadt zu fotografieren und zu beschreiben. Das alles soll helfen, den Alltag in Eisenhüttenstadt besser kennenzulernen.
Ein Blick zurück in die Geschichte
Die Stadt hat eine bewegte Geschichte. Gegründet vor 75 Jahren, war sie einmal ein Zentrum der ostdeutschen Stahlproduktion und zählte über 50.000 Einwohner. Heute sind es nur noch etwa 24.000. Tom Hanks – ja, der Hollywood-Star – hat 2011 Eisenhüttenstadt ins Gespräch gebracht, und das Interesse an der Stadt stieg. Es ist spannend zu sehen, wie eine solche Initiative international auf Resonanz stößt, mit rund 2.000 Bewerbungen für das Probewohnen, darunter viele aus dem Ausland.
Der Bevölkerungsschwund und der Fachkräftemangel sind ernstzunehmende Herausforderungen für die Stadt. Viele Wohnungen stehen leer, und genau das soll die Probewohnen-Aktion ändern. Die ersten Ergebnisse zeigen bereits Erfolge: Nach der ersten Runde haben drei neue Interessenten Mietverträge abgeschlossen. Das ist immerhin ein Anfang! In der nächsten Runde, die für 2026 geplant ist, können vielleicht noch mehr Menschen von dem Charme der Stadt überzeugt werden.
Erste Eindrücke der Teilnehmer
Die ersten Probe-Bewohner, Melanie Henniger, eine IT-Beraterin aus Bremen, und Jonas Brander, ein Dokumentarfilmer aus Berlin, haben ebenfalls ihre Erfahrungen geteilt. Sie lebten zwei Wochen in Eisenhüttenstadt – nicht ganz genug Zeit, um den Alltag wirklich zu erfassen, wie sie selbst feststellen mussten. Melanie lobte die Sauberkeit und die kurzen Wege, aber fand es auch sehr ruhig. Jonas hingegen war von der herzlichen Aufnahme begeistert und sah Potenzial in der Stadt. Es scheint, als ob die beiden gerne wiederkommen würden!
Eisenhüttenstadt hat zwar ihre Herausforderungen, aber die Menschen hier sind stolz auf ihre Stadt, und das spürt man. Das Probewohnen-Projekt ist nicht nur eine Möglichkeit, neue Bewohner zu gewinnen, sondern auch eine Gelegenheit, die Stadt in neuem Licht zu präsentieren. Vielleicht ist das der erste Schritt, um aus Eisenhüttenstadt wieder einen lebendigen Ort zu machen, an dem Menschen gerne leben und arbeiten.