Die Kraft der Geschichten: András Viskys „Die Aussiedlung“ mit Internationalem Literaturpreis ausgezeichnet
Berlin, die Stadt der Möglichkeiten und Geschichten, hat wieder einmal einen literarischen Schatz hervorgebracht. Am Freitagabend wurde der Roman „Die Aussiedlung“ von András Visky und der Übersetzerin Timea Tanko mit dem Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt (HKW) ausgezeichnet. Diese Ehrung, die mit 35.000 Euro dotiert ist – 20.000 Euro für den Autor und 15.000 Euro für die Übersetzerin – würdigt die herausragenden Werke der internationalen Gegenwartsliteratur in deutscher Erstübersetzung. Ein schöner Anlass, um über die kraftvollen Geschichten nachzudenken, die so oft von Schmerz und Hoffnung handeln.
„Die Aussiedlung“ erzählt die eindringliche Geschichte einer Familie, die in die karge, aber eindrucksvolle Landschaft der ostrumänischen Steppe deportiert wird. Die Jury beschrieb das Buch als ein „eigenwilliges Buch der Gefangenschaft“. Und tatsächlich, die Erzählung ist mehr als nur eine Nacherzählung von Ereignissen aus den 1950er Jahren in Rumänien. Sie ist ein bewegendes Fragment von Erinnerungen, die in 822 Sätzen ohne Punkt zusammenfließen und die Themen Zwang und Entbehrung eindrucksvoll thematisieren.
Ein Blick in die Vergangenheit
András Visky, geboren 1957 in Târgu Mureș, kennt die Schattenseiten der Geschichte. Sein Vater, ein widerständiger Pastor, verbrachte viele Jahre in Haft, während seine Mutter mit sieben Kindern in die Bărăgan-Steppe zwangdeportiert wurde. Diese persönlichen Erfahrungen fließen in die Erzählung ein, die durch die kindliche Fantasie der Protagonisten bereichert wird. Komischerweise erweitert die kindliche Perspektive den vierfachen Schriftsinn der Bibel um einen fünften, was dem Werk eine besondere Tiefe verleiht. Die Bibel, aus der die Mutter täglich vorliest, ist nicht nur ein Buch, sondern ein Ort der Hoffnung inmitten der Verzweiflung.
Die Übersetzung von Timea Tanko, die 1978 in Leipzig geboren wurde und ihre Kindheit zwischen Ungarn und Deutschland verbrachte, wird als flüssig und souverän beschrieben. Mit einem Studium in Französisch, Spanisch und Kulturwissenschaften hat sie sich einen Namen als literarische Übersetzerin gemacht. Ihr Talent wurde 2021 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse für die Übersetzung von „Apropos Casanova“ ausgezeichnet. Es scheint, als wäre sie die perfekte Brücke zwischen den Welten, die Viskys Worte auf eine Weise zum Leben erweckt, die die Leser mitnimmt.
Ein bedeutender Preis
Der Internationale Literaturpreis wird seit 2009 verliehen und hat sich einen festen Platz im deutschen Literaturszene erkämpft. Jedes Jahr werden Werke geehrt, die in deutscher Erstübersetzung erscheinen und in ihrer Originalsprache von Bedeutung sind. Im Vorjahr wurde mit „Autobiographie des Todes“ von Kim Hyesoon erstmals ein lyrisches Werk ausgezeichnet – eine bemerkenswerte Wendung, die zeigt, wie vielfältig die Literatur ist. Diese Auszeichnung unterstreicht nicht nur die Wichtigkeit von Übersetzungen, sondern auch die Kraft der Geschichten, die über kulturelle Grenzen hinweg wirken.
Die Auszeichnung von „Die Aussiedlung“ ist nicht nur ein persönlicher Erfolg für Visky und Tanko, sondern auch ein Zeichen für die Bedeutung von Erzählungen, die von der Vergangenheit erzählen und die Menschen dazu bringen, über ihre eigene Geschichte nachzudenken. In Berlin, wo Geschichten aus aller Welt zusammenfließen und neue Erzählungen entstehen, ist dieser Preis ein wichtiger Baustein in der Förderung des literarischen Austauschs. Ein Abend, der hoffentlich viele Leser dazu inspiriert, sich auf die Suche nach den Geschichten zu machen, die in den unzähligen Seiten unserer Geschichte verborgen sind.
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