Pilzwunder im Späth-Arboretum: Entdeckungsreise durch Berlins grüne Oasen
Inmitten der grünen Oasen der Hauptstadt, wo die Natur sich in voller Pracht entfaltet, entdeckt man immer wieder kleine Wunder – wie etwa die essbaren Kiefernzapfenrüblinge, die René Jarling, der Vorsitzende der Pilzkundlichen Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburg e. V., im Späth-Arboretum scannt. Dieses Arboretum, das 1879 von Franz Späth im Stil englischer Landschaftsgärten vergrößert wurde, ist ein wahres Eldorado für Naturfreunde und Pilzliebhaber. Mit einer beeindruckenden Fläche, die zur Biologischen Fakultät der Humboldt-Universität gehört, ist es der perfekte Ort, um die Vielfalt der Pilzarten zu erkunden.
Am kommenden Wochenende, konkret am 30. und 31. Mai, wird im Arboretum richtig aufgetischt: Zehn Veranstaltungen, darunter eine spannende Pilzführung, laden dazu ein, die heimische Flora näher kennenzulernen. Jarling hat bereits bei ersten Erkundungen mit seinen Vereinskollegen einige Pilze entdeckt und ist optimistisch, zwischen 200 und 300 Pilzarten zu finden – trotz der eher ungünstigen Jahreszeit. Ein Hoch auf die Natur! Und was das Späth-Arboretum besonders macht? Es wird von der ältesten Baumschule Berlins, der Späth’schen Baumschule, unterstützt, die 1720 gegründet wurde und heute stolze 60 Mitarbeiter beschäftigt. Susanne Schmohl, die in der Geschäftsführung tätig ist, wird am Sonntag um 15 Uhr eine Führung über das Gelände anbieten.
Ein Sammelsurium der Arten
Jarlings Begeisterung für Pilze ist ansteckend. „Mein Favorit ist immer der nächste spannende Fund“, sagt er, während er mit einem Funkeln in den Augen von seiner letzten Entdeckung erzählt: dem Roten Gitterling, der vermutlich aus dem Mittelmeerraum stammt. An die 6500 Pilzarten soll es in Berlin-Brandenburg geben, davon 1500 Großpilze. Und weltweit? Da reden wir von rund 150.000 beschriebenen Arten – aber Schätzungen zufolge existieren sogar etwa drei Millionen! Die Vielfalt ist überwältigend. Die Themen „Lebensmittel aus der Natur“ und „bewussteres Leben“ haben in den letzten Jahren das Interesse an Pilzen enorm gesteigert. Kein Wunder, dass Jarlings Mitgliederzahl in der Arbeitsgemeinschaft von 15-20 im Jahr 1990 auf mittlerweile 130 gestiegen ist.
Doch nicht nur die Pilze selbst stehen im Fokus. Die Erforschung der Flora und Vegetation in Berlin und Brandenburg ist eng mit der Erfassung von Pilzen verbunden. Botanisches Fachwissen ist unerlässlich, um phytoparasitische Pilze zu bestimmen, Pilz-Pflanze-Beziehungen aufzuzeigen oder die ökologische Charakterisierung von Standorten vorzunehmen. Die Zusammenarbeit mit mykologischen Vereinigungen ist ein zentraler Bestandteil dieser Arbeit. In Brandenburg gibt es mehrere regionale Gruppen und größere Vereine, die sich dem Thema Pilze widmen und sich gegenseitig unterstützen. Ihr Hauptziel? Die weitere Erfassung der Funga des Gebiets unter Berücksichtigung ökologischer Standortparameter.
Ein Aufruf zur Mitwirkung
Die Pilzkundliche Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburg (PABB) hat sich unter anderem der Kartierung der Funga, der Betreuung und Erweiterung der Pilzkartierungsdatenbank sowie der Pilzberatung verschrieben. Interessierte können sich über die Website www.pabb.de informieren und vielleicht sogar selbst aktiv werden.
Und während in den Wäldern und Gärten der Hauptstadt die Pilze sprießen, bleibt die Hoffnung, dass auch die Petition gegen die Wohnungsbauentwicklung auf Teilen der Späth’schen Baumschule Gehör findet. Denn solche Orte sind nicht nur Rückzugsorte für Pilzliebhaber, sondern auch für alle, die die Natur schätzen und bewahren möchten. Man kann nur hoffen, dass die Schönheiten der Natur auch in Zukunft erhalten bleiben.
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