Heute ist der 5. November 2026 und ganz Berlin ist in Gedanken bei einer ganz besonderen Frau: Margot Friedländer. Anlässlich ihres Geburtstags, der in diesen Tagen gefeiert wird, erinnern wir uns an die beeindruckende Lebensgeschichte dieser Holocaust-Überlebenden und Ehrenbürgerin. Ein bewegender Moment fand auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee statt, wo Schülerinnen und Schüler einen Gedenkstein auf ihrem Grab niederlegten. Ein Zeichen der Wertschätzung für ihr Lebenswerk und ihr unermüdliches Engagement als Zeitzeugin.

Margot Friedländer wurde in einer jüdischen Familie in Berlin geboren und durchlebte die dunkelsten Kapitel der Geschichte. Im Alter von nur 18 Jahren wurde sie von den Nationalsozialisten ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Doch sie überstand die Hölle und kehrte 1945 zurück, um ein neues Leben zu beginnen. Nach ihrer Emigration in die USA, wo sie eine Familie gründete, traute sie sich im Alter von 88 Jahren zurückzukehren nach Berlin, der Stadt, die sie trotz allem als ihre Heimat verstand. Sie hatte nie den Glauben an die Menschheit verloren und sah in den Menschen, die sie damals versteckt hatten, die Hoffnung auf eine bessere Welt.

Ein lebendiges Erbe

In den letzten Jahren hat Margot Friedländer ihre Lebensgeschichte unermüdlich weitergegeben. Sie besuchte Schulen und Einrichtungen in Deutschland, um den jüngeren Generationen ihre Erfahrungen näherzubringen. Ihr Appell war stets klar: „Seid Menschen.“ Diesen Satz, der am Ende ihres Lebens zur Lebensmaxime wurde, trug sie wie eine zweite Haut. Sie wollte, dass die Jugend versteht, dass Herkunft oder Religion niemals Maßstab für den Wert eines Menschen sein dürfen.

Margot hatte eine besondere Beziehung zu Berlin, die sie nach dem Krieg wiederentdeckte. Ihre Erinnerungen an die Jugendjahre in der Stadt, das Interesse an Mode und die Ausflüge zu Verwandten am Scharmützelsee – all das prägte ihre Identität. Trotz der schrecklichen Erlebnisse, die sie durchstehen musste, schaffte sie es, ihre Persönlichkeit zu bewahren. Sie besaß nur wenige Erinnerungsstücke ihrer Mutter, doch diese – ein Notizbuch, eine Kette und eine Handtasche – waren für sie von unschätzbarem Wert. Die Kette trug sie stets, als Zeichen der Verbundenheit.

Ein unvergängliches Vermächtnis

Nach dem Tod ihres Mannes in den USA fand sie einen neuen Weg, sich auszudrücken: Creative-Writing-Kurse eröffneten ihr die Möglichkeit, ihre Gedanken und Gefühle niederzuschreiben. So entstanden Geschichten, die berühren und zum Nachdenken anregen. Mit einem Buch in der Hand, das schon deutliche Gebrauchsspuren aufweist – „Versuche dein Leben zu machen“ – hat sie sich auf Lesereisen begeben, um die Erinnerung wachzuhalten. Diese Geschichten sind nicht nur Erinnerungen, sie sind Appelle an die Menschlichkeit.

Selbst im hohen Alter blieb sie aktiv, besuchte regelmäßig Schulen und berichtete von ihrem Leben, von der Entbehrung und der Hoffnung. Margots Stimme war eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Sie verstand die heutige Generation nicht als Verursacher der Verbrechen ihrer Vorfahren, sondern als Träger der Verantwortung, gegen Hass und Antisemitismus einzutreten. Dabei war ihr die Gesellschaft von heute ein wichtiges Anliegen. Sie selbst hatte die Wahrnehmung, dass sich das gesellschaftliche Klima in Deutschland in den letzten Jahren verschlechtert hat, und kämpfte dafür, dass sich die Schoah nicht wiederholt.

Der Empfang, der zu Ehren Margot Friedländers in der nach ihr benannten Stiftung geplant war, sollte ein weiterer Schritt sein, ihr Vermächtnis lebendig zu halten. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner war angekündigt, um gemeinsam mit den Anwesenden an diese beeindruckende Frau zu erinnern, deren Lebensgeschichte uns alle inspiriert. Ihr unermüdlicher Einsatz für Menschlichkeit und Frieden wird uns auch in Zukunft begleiten.