Inmitten des pulsierenden Lebens am Kurfürstendamm versteckt sich eine grüne Oase, die nicht nur von der Natur zurückerobert wurde, sondern auch von den Anwohnern leidenschaftlich verteidigt wird. Hinter einem Maschendrahtzaun, der die Sicht auf eine verwilderte Fläche versperrt, wuchern Gras und Brombeeren, und die Amseln fliegen munter durch das Unterholz. Ein Schild, das vor dem Betreten des „Privatgrundstücks“ warnt, zeugt von der Abgeschiedenheit dieses kleinen Refugiums. Ein schmaler Weg windet sich an Hecken, Müllboxen und alten Laternen vorbei, und unter einem Blätterdach thront ein veralteter Bogen mit der Aufschrift „Tennisplätze am Ku’damm“. Hier, wo seit über 20 Jahren kein Tennis mehr gespielt wird, haben sich die Kräfte der Natur durchgesetzt.

Doch die Idylle könnte bald der Vergangenheit angehören. Für die ehemaligen Tennisplätze im denkmalgeschützten WOGA-Komplex liegt eine Baugenehmigung für die Errichtung von rund 70 Eigentumswohnungen vor. Die Anwohner wurden Ende April über die Pläne informiert und haben umgehend Widerspruch eingelegt. Der Investor, Brandenburg Properties, plant, die neuen Gebäude nah an die denkmalgeschützten Häuser zu rücken. Es wird gemunkelt, dass der Baubeginn schon im Frühjahr 2027 erfolgen soll. Die Wohnungen sollen zwischen 40 und 120 Quadratmetern groß und sozialer Wohnungsbau nicht vorgesehen sein. Ein Umstand, der bei den Anwohnern auf wenig Begeisterung stößt.

Ein Stück Geschichte

Der WOGA-Komplex am Lehniner Platz, erbaut zwischen 1925 und 1931 von Erich Mendelsohn, ist mehr als nur ein architektonisches Meisterwerk; er ist ein Teil des kulturellen Erbes Berlins. Ursprünglich als reine Wohnanlage auf einem vier Hektar großen Grundstück geplant, umfasst der Komplex heute Kulturstätten, Einkaufsmöglichkeiten und Wohngebäude, die zur Neuen Sachlichkeit zählen. Der gesamte Komplex steht seit 1982 unter Denkmalschutz – ein Umstand, den die Anwohner vehement gegen die Nachverdichtung ins Feld führen. Die Tennisplätze, 1908 angelegt und seit 2007 ungenutzt, sind nicht einfach nur ein Stück Land, sie sind Teil dieser historischen Gesamtanlage.

Die Anwohner befürchten, dass die neuen Wohnbauten nicht nur die Wege zerstückeln, sondern auch wertvolle Grünflächen fällen werden. Ihre Argumentation, dass eine Nutzungsänderung von Sport- zu Wohnnutzung in einer geschützten Gesamtanlage unzulässig sei, stützt sich auf die Geschichte des WOGA-Komplexes, der nicht nur als Wohnraum, sondern auch als Ort des kulturellen Lebens konzipiert wurde. Das Kino Universum, das Kabarett der Komiker und das Café-Restaurant Leon sind nur einige der historischen Zeugen, die von der Geschichte des Platzes erzählen.

Der Streit um den Denkmalschutz

Die Pläne des Investors sind nicht nur umstritten, sie werfen auch Fragen zum Denkmalschutz auf. Der alte Bebauungsentwurf wurde 2022 abgelehnt, doch die neue Genehmigung sorgt für Verwirrung unter den Anwohnern. Sie haben bereits Widerspruch eingelegt und bereiten eine Anfechtungsklage vor, doch der Widerspruch hat keine aufschiebende Wirkung. Der Baustart könnte also bald erfolgen, während die Anwohner auf eine gerichtliche Entscheidung hoffen, die das Vorhaben stoppen könnte.

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Berlin, eine Stadt im ständigen Wandel, hat in den letzten Jahrzehnten viele ihrer historischen Baudenkmäler verloren. Die Erhaltung dieser Denkmale ist nicht nur eine Frage des Stolzes, sondern auch des kulturellen Gedächtnisses. Die materielle Substanz eines Denkmals, wie der WOGA-Komplex, erzählt von den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen der Vergangenheit. Der Kampf der Anwohner ist also nicht nur ein Kampf um ein Stück Land, sondern um die Bewahrung ihrer Geschichte und Identität.

Wie wird es weitergehen? Für die Anwohner bleibt die Lage angespannt, während der Investor mit seinen Planungen fortfährt und sich rechtlich abgesichert sieht. Es bleibt abzuwarten, ob eine gerichtliche Entscheidung die Wende bringen kann oder ob die Natur und die Erinnerungen an vergangene Zeiten einem neuen Kapitel weichen müssen.