Eine Stimme für die Unsichtbaren: Die LAG Internationals der Linken in Berlin
In einem spannenden Schritt zur Förderung internationalistischer und antikolonialer Stimmen hat die Partei Die Linke in Berlin die LAG Internationals neu belebt. Diese Initiative zielt darauf ab, einen offenen Raum für all jene zu schaffen, die lokale Kämpfe in Berlin mit globalen Anliegen verbinden möchten. In einer Stadt, in der etwa 25% der Bevölkerung keinen deutschen Pass haben, wird es höchste Zeit, dass die Erfahrungen dieser Menschen gehört werden. Viele von ihnen bringen wertvolle Kenntnisse aus politischen Organisationen und sozialen Kämpfen mit und verdienen es, in die deutsche Politik integriert zu werden.
Die LAG Internationals hat sich als Ziel gesetzt, von den Erfahrungen nicht-deutscher Linker zu lernen und einen produktiven Austausch über politische Praxis und Inhalte zu fördern. Gemeinsam sollen Kampagnen in Berlin unterstützt und organisiert werden. Die geplanten Maßnahmen sind vielfältig: Die Stärkung internationalistischer und antiimperialistischer Perspektiven innerhalb der Partei steht dabei ganz oben auf der Agenda. Zudem wird ein Raum für nicht-deutschsprachige Genossen geschaffen, um aktiv in der deutschen Parteipolitik mitzumischen. Vernetzung mit internationalen linken Gruppen und die Thematisierung von Fragen, die nicht-deutsche Bewohner betreffen – wie Wahlrechte für Nicht-Bürger und politische Teilhabe – sind ebenfalls zentrale Punkte.
Ein Blick in die Geschichte
Doch was bedeutet das alles im historischen Kontext? Antikoloniale Bewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg hatten nicht nur die politische Unabhängigkeit im Blick, sondern auch eine umfassende Neugestaltung der internationalen Rechts-, Politik- und Wirtschaftsordnung. Die Vision war klar: eine Welt, in der ehemals Unterdrückte selbstbestimmt und unabhängig leben können. Postkoloniale Staatsmänner wie Kwame Nkrumah und Michael Manley forderten das Selbstbestimmungsrecht der Völker in der UN-Charta und setzten sich für regionale Staatenbünde ein. Diese Denker waren nicht nur nationale Führer, sondern auch egalitäre Internationalisten, die die Machtverhältnisse zugunsten des Globalen Südens umverteilen wollten.
Die Vorstellung, dass die Dekolonisierung lediglich eine Integration ehemaliger Kolonien in die internationale Gemeinschaft war, wird von Experten wie Adom Getachew kritisiert. Sie betrachtet Imperien als rassifizierte Hierarchien und ungleiche Integration. Diese antikolonialen Bewegungen umfassten Massenbewegungen, die das Recht auf Selbstbestimmung und wirtschaftliche Entwicklung forderten. Die Dekolonisierung der Wissensproduktion war ein zentrales Element dieser Weltgestaltung – ein Aspekt, der in der heutigen Zeit, insbesondere im Kontext der globalen Herausforderungen wie der Klimakrise, wieder an Bedeutung gewinnt.
Die koloniale Vergangenheit und ihre Spuren
Es ist auch wichtig zu beachten, dass die koloniale Epoche in den frühen 1960er Jahren mit der Unabhängigkeit vieler kolonialisierter Nationen endete. Dennoch hat das Interesse am Kolonialismus in den letzten Jahren zugenommen, da er als wesentlicher Bestandteil der modernen Weltentwicklung erkannt wird. Die Verbindungen zwischen Kolonialismus, Kapitalismus und Globalisierung sind tief und vielschichtig. Die koloniale Realität ist nicht einfach eine Geschichte von vergangenen Herrschaften, sondern hat auch in der Gegenwart ihre Spuren hinterlassen.
Die Forschung hat sich zunehmend auch mit den Rückwirkungen des Kolonialismus auf die kolonisierenden Gesellschaften beschäftigt. Postcolonial Studies, die in den 1980er Jahren entstanden, kritisieren die Vorstellung, dass die Geschichte des Kolonialismus mit der Unabhängigkeit vieler Staaten endete. Stattdessen wird eine tiefere Debatte über die Wechselbeziehungen zwischen Kolonisierten und Kolonisierenden angestoßen, die auch die Rolle von kolonialem Wissen und die Konstruktion von Identitäten unter kolonialer Ungleichheit untersucht.
In Berlin, einer Stadt, die von ihrer multikulturellen Bevölkerung lebt, ist der Relaunch der LAG Internationals ein Schritt in die richtige Richtung. Es ist ein Moment, um die Stimmen derjenigen zu hören, die oft im Schatten der politischen Diskurse stehen. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich diese Initiativen entwickeln und welche Impulse sie für die zukünftige politische Landschaft in Deutschland geben werden.
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