Heute ist der 28.04.2026 und in Charlottenburg-Wilmersdorf wird ein ernster Bericht veröffentlicht, der die wachsende Problematik des Antiziganismus in Berlin beleuchtet. Die Dokumentationsstelle Antiziganismus (DOSTA/MIA Berlin) hat am Dienstag ihren Jahresbericht für 2025 vorgelegt und die Zahlen sind alarmierend: 2024 wurden 293 Fälle antiziganistischer Diskriminierung in der Hauptstadt erfasst, was die höchste Zahl seit Beginn der Dokumentation darstellt. Diese Informationen stammen aus einer Mitteilung des Vereins Amaro Foro, der sich für die Belange der Sinti und Roma einsetzt.
Die Projektleiterin Violeta Balog hebt hervor, dass Antiziganismus ein strukturelles Problem bleibt; viele Betroffene scheuen sich, Diskriminierung zu melden, sei es aus Angst oder aufgrund mangelnden Vertrauens in die Institutionen. Die häufigsten Vorfälle wurden aus dem Alltag, dem öffentlichen Raum und dem Bildungsbereich registriert. Dabei wird ein besorgniserregender Anstieg des antiziganistischen Mobbings in Schulen beobachtet. Es fehlt an Aufklärung und unabhängigen Beschwerdemöglichkeiten, was die Situation für die betroffenen Schüler weiter erschwert.
Diskriminierung im Bildungswesen
In einem neuen Bericht der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) werden seit 2023 484 Vorfälle dokumentiert, die sich im Bildungsbereich abspielen. Diese Vorfälle umfassen Diskriminierung, Beleidigungen, darunter das oft als rassistisch empfundene „Z-Wort“, sowie körperliche Gewalt. Eltern berichten von Untätigkeit der Schulleitungen, die bei gemeldeten Vorfällen nicht entsprechend reagieren. Michelle Berger, Leiterin einer Beratungsstelle in Nürnberg, weist darauf hin, dass viele Sinti und Roma Vorfälle oft ignorieren, in der Hoffnung auf Besserung, was die Situation nicht verbessert.
Der MIA-Bericht beschreibt institutionellen Antiziganismus als tief im Bildungssystem verankert. Kinder aus Sinti- oder Roma-Familien werden häufig pauschal in Förderschulen eingestuft, und Lehrkräfte empfehlen Rückstellungen von Schülern, auch wenn dies nicht immer fachlich gerechtfertigt ist. Professor Philipp Jugert von der Uni Duisburg-Essen bestätigt, dass Vorurteile gegenüber Schülern mit Migrationshintergrund, insbesondere Roma, weit verbreitet sind.
Notwendige Maßnahmen zur Bekämpfung
Die Fachstelle DOSTA betont die Notwendigkeit von Antidiskriminierungsarbeit in Zeiten zunehmender Polarisierung. Verstärkte Maßnahmen in Bildung, Verwaltung und Politik werden gefordert, um Antiziganismus entgegenzutreten und Betroffene zu schützen. MIA schlägt vor, Bildungsberater einzusetzen, um eine diskriminierungsfreie Teilhabe von Sinti und Roma zu fördern. Zudem wird angeregt, mehr Menschen aus Sinti- und Roma-Gemeinschaften an Schulen einzusetzen, um ein besseres Verständnis und eine inklusivere Atmosphäre zu schaffen.
Das Bayerische Kultusministerium verweist auf geschulte Lehrkräfte und Psychologen, die für diskriminierungsfreie Schulen sorgen sollen. Psychologe Jugert hebt die Bedeutung von „kulturell responsivem Unterrichten“ hervor, bei dem auch die Selbstreflexion von Lehrkräften eine zentrale Rolle spielt. Der MIA-Bericht zeigt zudem einen Anstieg der Unterstützung für Betroffene von Übergriffen und Beleidigungen im letzten Jahr.
Ein weiterer Schwerpunkt des DOSTA-Berichts liegt auf der Arbeitsausbeutung, insbesondere von osteuropäischen Rom:nja. In diesem Kontext wird auch die mediale Berichterstattung thematisiert, die häufig negative Narrative über Sinti und Roma verstärkt, sei es durch Debatten über Sozialleistungsmissbrauch oder durch spezifische Vorfälle, wie die Diskussion um ein Hotel in Tempelhof-Schöneberg. Diese Narrative werden sowohl von rechten Parteien als auch von Regierungsfraktionen aufgegriffen und tragen zur Stigmatisierung bei.
Die zunehmenden Zahlen und die Schilderungen von Betroffenen zeichnen ein alarmierendes Bild der Realität für Sinti und Roma in Berlin und darüber hinaus. Es bedarf einer umfassenden gesellschaftlichen Anstrengung, um Antiziganismus nicht nur zu dokumentieren, sondern aktiv zu bekämpfen und die betroffenen Gemeinschaften zu unterstützen.