Heute ist der 28.04.2026 und der Prozess gegen die ehemalige RAF-Terroristin Daniela Klette am Landgericht Verden nimmt spannende Wendungen. Am Vormittag beginnt die Staatsanwaltschaft um 10 Uhr mit ihrem Schlussvortrag, vorausgesetzt, es werden keine Beweisanträge gestellt. Klette sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt, darunter versuchter Mord, Raub und Verstöße gegen Waffengesetze. Ihre Festnahme erfolgte im Februar 2024 in Berlin und bringt eine dunkle Vergangenheit ans Licht, die bis in die Zeit der RAF zurückreicht.

In diesem Verfahren geht es um Überfälle, die zwischen 1999 und 2016 in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein stattfanden. Klette wird beschuldigt, an 13 Überfällen beteiligt gewesen zu sein, die sie zusammen mit den mutmaßlichen Komplizen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub geplant hat. Letztere sind jedoch weiterhin auf der Flucht. Die Ermittler schätzen die Beute auf rund 2,7 Millionen Euro, die Klette für ein Leben im Untergrund verwendet haben soll. Besonders brisant ist, dass die Gruppe bei den Überfällen „arbeitsteilig und äußerst konspirativ“ vorging, sich verkleidete und Tatorte ausspionierte.

Der Verlauf des Prozesses

Das Gericht hat Schwierigkeiten, die Taten zu rekonstruieren, da Klette sich zu den Überfällen nicht äußert. Die emotionalen Reaktionen der Opfer und die Wortgefechte zwischen Anwälten und Staatsanwaltschaft tragen zur Spannung des Verfahrens bei. Besonders der Überfall auf einen Geldtransporter am 6. Juni 2015, bei dem fast eine Million Euro erbeutet werden sollte und Schüsse fielen, steht im Fokus. Es ist unklar, ob die Staatsanwaltschaft weiterhin von versuchtem Mord ausgeht oder sich der Einschätzung des Gerichts anschließt, die von bedingtem Tötungsvorsatz ausgeht.

Ein weiterer Aspekt des Prozesses ist die Tatsache, dass fünf Überfälle eingestellt wurden, da sie keine größeren Auswirkungen auf das Strafmaß hätten. Die Nebenklage könnte am Mittwoch plädieren, während die Verteidigung am 12. und 13. Mai ihre Argumente vorbringen wird. Ein Urteil wird frühestens Ende Mai erwartet.

Die Verbindungen zur RAF

Klette wird zudem eine Rolle in einer linksterroristischen Vereinigung zugeschrieben, und ein weiteres Verfahren könnte ihre Aktivitäten zwischen 1990 und 1993 betreffen. Hier muss der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main entscheiden, ob und wann der Prozess zu den neuen Anklagen stattfindet. Die historische Dimension ist nicht zu vernachlässigen, denn die Rote Armee Fraktion (RAF) wurde in den 1970er Jahren gegründet und war für zahlreiche gewalttätige Übergriffe verantwortlich. Die Geschichte der RAF, die sich gegen den Vietnamkrieg und die westliche Gesellschaft richtete, beschreibt eine Zeit des Widerstands, die bis heute in der deutschen Gesellschaft nachhallt.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

In Klettes Wohnung in Berlin wurden zahlreiche Beweise sichergestellt, darunter eine Panzerfaust-Attrappe, Kriegswaffen, ein Kilogramm Gold sowie über 240.000 Euro Bargeld. Auch Fotos, Skizzen und Aufzeichnungen von ausspionierten Supermärkten und Polizeiwachen wurden gefunden. Diese Funde könnten entscheidend für den Prozessverlauf sein, ebenso wie die DNA-Mischspuren in den Fluchtautos, die Klette zugeordnet werden könnten. Ihre Verteidiger bezweifeln jedoch die Qualität dieser Ermittlungen, was die Verhandlungen weiter kompliziert.

Blick in die Zukunft

Die Umgestaltung einer Reithalle zu einem Hochsicherheitssaal, die mit rund 3,6 Millionen Euro für zwei Jahre zu Buche schlägt, zeigt, wie ernst die Justiz den Fall nimmt. Unklar bleibt, wie die Halle nach dem Verfahren genutzt werden soll. Die Verhandlung über die komplexe Rolle Klettes in der Geschichte der RAF und den damit verbundenen Verbrechen wird sowohl juristisch als auch gesellschaftlich von großer Bedeutung sein. Die Fragen um Schuld, Verantwortung und die Aufarbeitung einer blutigen Vergangenheit stehen im Raum, während die Justiz versucht, Licht ins Dunkel zu bringen.