Es ist nicht zu fassen, was der Druck auf Sportlerinnen heutzutage so alles anrichten kann. Wenn man an die glanzvollen Auftritte von Jelena Rybakina denkt, die gerade erst die Tennis-Welt aufgemischt hat, könnte man meinen, sie ist weit über solchen Anfeindungen erhaben. Doch die Realität sieht anders aus. Die 26-jährige Kasachin, die derzeit als Nummer zwei der Tennis-Weltrangliste firmiert, hat am Freitag beim Rasenturnier im Londoner Queen’s Club gegen die britische Außenseiterin Katie Boulter verloren. Diese Niederlage ließ nicht nur sportliche Wellen schlagen, sondern brachte auch eine Flut von negativen Kommentaren mit sich. Diese Kommentare waren so heftig, dass Rybakina ihr Instagram-Konto vorübergehend deaktivierte.

Normalerweise lässt Jelena sich von solchen negativen Stimmen nicht aus der Ruhe bringen, doch in diesem Fall war die Situation einfach zu viel. „Es ist nicht meine Aufgabe, meinen Instagram-Auftritt ständig zu moderieren“, erklärte sie, als sie die Entscheidung traf, sich für eine Weile aus den sozialen Medien zurückzuziehen. Rybakina äußerte, dass sie vermutet, die Verfasser dieser Hasskommentare seien oftmals Wettende, die durch ihre Niederlage Geld verloren haben. Sie wolle diesen Personen nicht die Möglichkeit geben, weiterhin ihre negativen Emotionen zu verbreiten.

Ein Rückzug aus den sozialen Medien

Die Entscheidung, sich aus Instagram zurückzuziehen, kam nicht leichtfertig. Rybakina ist zwar mit der Idee einverstanden, sich nicht ständig in der Online-Welt zu zeigen, doch der Druck, den sozialen Medien gerecht zu werden, fühlt sich oft wie ein Vollzeit-Job an. Auch wenn sie Unterstützung bei der Betreuung ihres Contents erhält, ist die ständige Überwachung ihres Profils eine enorme Herausforderung. Nach ihrem Rückzug war ihr Instagram-Profil am Montag wieder online, doch die Frage bleibt: Wie viel sollte eine Athletin ertragen müssen, nur um ihre sportliche Karriere zu leben?

Online-Hass ist kein neues Phänomen, und Rybakinas Erfahrungen sind Teil eines größeren Problems, das viele Sportlerinnen betrifft. Ein neues Forschungsprojekt, gefördert vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp), wird ab Mai 2024 Licht ins Dunkel bringen. Unter der Leitung von Jun.-Prof. Dr. Daniel Nölleke von der Deutschen Sporthochschule Köln, soll untersucht werden, wie Sportlerinnen mit digitalem Hass umgehen. Besonders im Fokus stehen weibliche Athleten, die oft andere, intensivere Erfahrungen mit Anfeindungen machen.

Der Kampf gegen den digitalen Hass

Die Studie will die Strukturen von Online-Hass im Sport aufdecken und die Perspektiven der Athletinnen beleuchten. Befragungen von Sportlerinnen, Trainerinnen und Expertinnen sollen helfen, Lösungen zu finden und Strategien zu entwickeln, um mit diesem Druck umzugehen. In einer Zeit, in der die Grenzen zwischen persönlichem und öffentlichem Leben immer mehr verschwimmen, ist es wichtig, dass Sportlerinnen die Unterstützung erhalten, die sie brauchen, um sich gegen digitalen Hass zu wehren.

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Es bleibt zu hoffen, dass Jelena Rybakina und viele andere Athlet*innen, die unter dem Druck der sozialen Medien leiden, nicht nur Gehör finden, sondern auch die notwendigen Ressourcen und das Verständnis, um sich in dieser herausfordernden digitalen Landschaft zurechtzufinden. Denn letztlich sollte der Fokus auf dem Sport liegen – und nicht auf dem Hass, der oft im Schatten lauert.

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