Inmitten der bunten Strömung Berlins, wo alte Mauern Geschichten erzählen und neue Trends sprießen, ist eine düstere Melodie zu vernehmen – die Schließungen von Galeria-Filialen. Holger-Philipp Bergt, ein leidenschaftlicher Karstadt-Enthusiast aus Bremen, ist besorgt. Während er seine Sammlung von Relikten der einst so glanzvollen Warenhauskette pflegt, blickt er besorgt auf die aktuellen Entwicklungen. Am Mittwoch wurden gleich 33 Filialen, darunter die prominenten Standorte am Alexanderplatz, Hermannplatz, Kurfürstendamm und in Spandau, genannt, die um ihren Fortbestand bangen müssen. Ein echter Schock für die, die mit diesen Orten unzählige Erinnerungen verknüpfen.

Bergt hat sich der Erhaltung der Karstadt-Geschichte verschrieben. Sein Privatarchiv umfasst nicht nur 120 Leitz-Ordner, sondern auch Porzellan, Silberbesteck und eine Sammlung von rund 500 Kleiderbügeln. Ja, Kleiderbügel! Er bittet die Leser der Berliner Morgenpost um Unterstützung bei der Suche nach besonderen Relikten aus der Berliner Karstadt-Geschichte. Sein Interesse an Karstadt ist nicht erst gestern geboren worden – es begann während seines Architekturstudiums, als er eine Diplomarbeit über den Architekten Philipp Schaefer plante. Der Name Schaefer ist nicht irgendein Name; er war über 30 Jahre Chef-Planer für die Warenhausbauten der Firma Karstadt und hat das Gesicht vieler dieser Gebäude geprägt.

Der Architekt und sein Erbe

Philipp Schaefer, geboren am 24. Juli 1885, hat in der Tradition des Neuen Bauens gearbeitet und war ein Meister seines Fachs. Seine Bauten, wie das Warenhaus am Hermannplatz, das von 1927 bis 1929 errichtet wurde, galten als die modernsten ihrer Zeit. Mit einer Höhe von 32 Metern und zwei Türmen, die 24 Meter überragten, war es ein echter Blickfang. Die beeindruckende Nutzfläche von etwa 72.000 m² umfasste sogar einen Dachgarten und eine Aussichtsterrasse, die zu beliebten Treffpunkten wurden. Doch die Geschichte dieses Bauwerks ist nicht nur von Glanz und Gloria geprägt. Am 25. April 1945 wurde das Gebäude durch mutmaßliche Brandstiftung oder Sprengung zerstört, und nur ein kleiner Teil blieb erhalten. Heute ist das Karstadt-Gebäude am Hermannplatz das Symbol für eine Zeit, die sich dem Ende zuneigt.

Bergt kritisiert die Fusion von Karstadt mit Kaufhof und den Verkauf profitabler Kaufhäuser. Das hat die Situation nicht gerade verbessert. „Warenhäuser müssen sich an die Bedürfnisse der Kunden anpassen“, sagt er, „sonst haben sie im digitalen Zeitalter keine Chance.“ Für das Karstadt am Hermannplatz sieht er nur eine Überlebenschance, wenn das Gebäude verkleinert und neue Nutzungen wie eine Bibliothek oder eine Kita integriert werden. Ein Gedanke, der nicht nur pragmatisch ist, sondern auch das Potenzial hat, die Nachbarschaft neu zu beleben.

Der Wandel der Zeit und der Einzelhandel

Die Herausforderungen, vor denen die Kauf- und Warenhäuser stehen, sind kein Einzelfall. Eine aktuelle Studie beleuchtet die architekturhistorische und städtebauliche Bedeutung dieser Handelsstätten in den Innenstadtzentren. Kauf- und Warenhäuser sind die älteste großflächige Betriebsform des Einzelhandels und haben seit Ende des 19. Jahrhunderts eine entscheidende Rolle in der Entwicklung von Innenstädten gespielt. Doch seit den 1950er bis 1970er Jahren hat sich das Bild gewandelt. Immer mehr Filialen schließen – seit Ende 2020 hat der Galeria-Konzern 83 Karstadt- und Kaufhof-Warenhäuser sowie 15 Karstadt Sports-Filialen dichtgemacht. Die meisten dieser Immobilien stehen heute leer.

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Die wachsende Bedeutung des Online-Shoppings macht es vielen Standorten schwer, sich wieder zu etablieren. Die Frage nach nachhaltiger Drittverwertung wird immer drängender, denn Abriss und Neubau haben nicht nur hohe ökologische Kosten, sondern auch baukulturelle. Eine Transformation dieser Gebäude könnte der Schlüssel sein, um die architektonischen Schätze zu bewahren und gleichzeitig neuen Nutzen zu geben. Bergt hofft auf Investoren, die bereit sind, sich in dieser Thematik auszukennen und zu investieren.

Bleibt zu hoffen, dass die Begeisterung für die Geschichte der Warenhäuser und das Engagement von Sammlern wie Bergt nicht umsonst ist. Vielleicht wird der Hermannplatz eines Tages wieder ein lebendiger Ort – sei es durch innovative Nutzung oder durch die Erhaltung seiner Geschichte. Denn eines steht fest: Die Vergangenheit und die Geschichten der Warenhäuser sind ein Teil unserer Kultur, den wir nicht einfach so hinter uns lassen können.

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