Heute ist der 28.04.2026 und in Israel brodelt es politisch gewaltig. Die beiden ehemaligen Premierminister Naftali Bennett und Jair Lapid haben ein neues Parteienbündnis ins Leben gerufen, das den Namen „Gemeinsam“ trägt. Diese Ankündigung kam am Sonntagabend, und das Ziel ist klar: Bei der Wahl Ende Oktober wollen die beiden Herausforderer Benjamin Netanjahu, der seit über 18 Jahren regiert, das Wasser abgraben. Um dies zu erreichen, müssen Bennett und Lapid ihre Kräfte bündeln, denn für eine Mehrheit im Parlament, der Knesset, sind 61 Sitze nötig.
Die Umfragen zeigen, dass Lapids Partei Jesch Atid in der Wählergunst gefallen ist und möglicherweise nur 5 bis 7 Sitze erreichen könnte. Im Gegensatz dazu könnte Bennetts Partei über 20 Sitze gewinnen. Die beiden Politiker haben eine gemeinsame politische Vergangenheit und hatten bereits eine Koalition zwischen 2021 und 2022, die jedoch nach 18 Monaten aufgrund eines Wechsels eines Abgeordneten zum Likud zerbrach. Netanjahu und die Likud-Partei kehrten im November 2022 zurück an die Macht, was die politische Landschaft in Israel weiter verkomplizierte.
Ein Bündnis mit Herausforderungen
Die Politikwissenschaftlerin Liron Lavi sieht das neue Bündnis als vielversprechend für die Opposition. Doch um erfolgreich zu sein, müssen Bennett und Lapid eine überparteiliche Anziehungskraft entwickeln, um Wähler aus dem Mitte-Rechts-Spektrum zu gewinnen. Dabei hoffen sie auf die Unterstützung von Gadi Eisenkot, einem ehemaligen Generalstabschef, der sowohl linke als auch rechte Wähler ansprechen könnte. Dennoch warnen Beobachter davor, Netanjahu zu unterschätzen, da dieser ein erfahrener Wahlkämpfer ist.
Netanjahus Beliebtheit hat in letzter Zeit gelitten, insbesondere durch Korruptionsvorwürfe und das Sicherheitsversagen, das im Zuge des Hamas-Angriffs am 7. Oktober 2023 verstärkt in den Fokus rückte. Peter Lintl von der Stiftung Wissenschaft und Politik betont, dass Netanjahu in der Vergangenheit immer wieder aus schwierigen Situationen herausgekommen ist. Selbst wenn er die Wahl verlieren sollte, plant er, die Opposition klein zu halten, um politische Instabilität zu vermeiden.
Politische Differenzen und gemeinsame Ziele
Obwohl Bennett und Lapid unterschiedliche politische Ansichten vertreten – der eine nationalreligiös und ehemaliger Tech-Unternehmer, der andere säkular und liberal – haben sie sich auf ein gemeinsames Ziel verständigt: Das Land zu einen und gegen Netanjahu anzutreten. Bennett hat erklärt, dass die Vereinigung eine Botschaft an das israelische Volk sei und das Ende der Spaltung symbolisieren soll. Auch wenn Unklarheiten über mögliche Koalitionen mit arabischen Parteien bestehen, lehnt Bennett diese Optionen bisher ab.
Ein zentrales Thema des Bündnisses könnte die Wehrpflicht für ultraorthodoxe Juden sein, ein Thema, das in der israelischen Gesellschaft stark umstritten ist. Lapid hat sich in der Vergangenheit für eine Zweistaatenlösung ausgesprochen, während Bennett offen für liberale Veränderungen ist, wie die Einführung der Zivilehe und die Möglichkeit von öffentlichem Nahverkehr an Schabbat.
Das Bündnis „Gemeinsam“ könnte tatsächlich eine Wende in der israelischen Politik herbeiführen, doch ob es den beiden gelingt, die politische Landschaft zu revolutionieren, bleibt abzuwarten. Die kommenden Wahlkämpfe versprechen spannend zu werden, und die Entwicklungen in den nächsten Monaten werden entscheidend sein für das Schicksal der israelischen Opposition.