Berlin in der Schusslinie: Die Schattenseiten der organisierten Kriminalität
Es geht wieder rund in Berlin, und das nicht nur auf den Straßen. Am Sonntagmorgen wurde die Polizei zu einer Bäckerei in Neukölln gerufen, wo gegen 4.00 Uhr mehrere Schüsse auf die Fensterfront des Ladens am Kottbusser Damm abgefeuert wurden. Glücklicherweise gab es keine Verletzten. Einsatzkräfte sicherten jedoch etliche Patronenhülsen auf dem Haltestreifen der Fahrbahn. Die Sondereinheit „Ferrum“ des Landeskriminalamts (LKA) hat nun die Ermittlungen übernommen, während die Gewaltkriminalität mit Schusswaffen in der Hauptstadt weiterhin ein brennendes Thema bleibt.
Die Gründung der Sondereinheit „Ferrum“ im November 2025 war ein notwendiger Schritt, um dem anhaltenden Problem der Schusswaffengewalt zu begegnen. Auch die Staatsanwaltschaft hat mit der speziellen Ermittlungsgruppe „Telum“ reagiert, die gezielt gegen die Strukturen der Organisierten Kriminalität vorgeht. In Kreuzberg gab es erst am Freitagabend einen Vorfall, bei dem ein 25-Jähriger angeschossen und schwer verletzt wurde, nach einem Streit, bei dem der Täter flüchtete.
Ein Blick auf die Großrazzia
Vor diesem Hintergrund führte die Berliner Polizei am Mittwoch eine Großrazzia an 28 Anschriften durch. Der Fokus lag auf Verdächtigen der Organisierten Kriminalität, die mit scharfen Waffen in Berlin unterwegs sind. Neun Verdächtige, zwischen 23 und 63 Jahre alt, wurden festgenommen, fünf von ihnen hatten bereits Haftbefehle am Hals. Die Beamten fanden nicht nur eine scharfe Schusswaffe, sondern auch Betäubungsmittel und Bargeld. Es waren insgesamt 570 Polizisten im Einsatz, unterstützt von Spezialeinheiten wie dem SEK und einem Team der GSG 9. Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel sprach von einem Erfolg im Kampf gegen die Schusswaffenkriminalität.
Die Zahlen sind alarmierend: Seit über einem Jahr steigen die registrierten Schüsse in Berlin, begleitet von Brandstiftungen an Geschäften. Ermittler vermuten, dass Schutzgelderpressungen und Revierkämpfe zwischen Drogen- und Waffenhändlern die treibenden Kräfte sind. Besonders betroffen sind häufig Gewerbetreibende mit türkischen Wurzeln, während die Täter mutmaßlich einer türkischen und kurdischen organisierten Kriminalität angehören.
Die Tendenz zur Zunahme der Gewalt
In Neukölln kam es erst kürzlich zu einem weiteren Polizei-Einsatz, als Schüsse im Volkspark Hasenheide gehört wurden. Ein umfangreicher Einsatz mit Hubschraubern und Hunden, etwa 50 Polizisten waren vor Ort. Leider ohne nennenswerte Ergebnisse – keine Verletzten, keine Tatverdächtigen. Und auch in Schöneberg wurde ein 38-jähriger Mann angeschossen, zum Glück aber ohne Lebensgefahr. Die Täter flüchteten in einem Auto. Was treibt die Menschen dazu, solche Taten zu begehen? Erpressungen, Revierkämpfe, die Schattenseiten der organisierten Kriminalität.
Die Ermittlungsgruppe „Telum“ und die Sondereinheit „Ferrum“ sind also gefordert, um der steigenden Gewalt Einhalt zu gebieten. Innensenatorin Iris Spranger fordert die Verschärfung des Waffengesetzes. Die Polizeistatistik spricht für sich: Ein Anstieg von 68 % der Straftaten mit Schusswaffen im letzten Jahr. 1.119 Fälle wurden registriert, 515 davon tatsächliche Schüsse. Ein besorgniserregendes Bild, das die Frage aufwirft: Wie lange kann der Rechtsstaat diesen Herausforderungen noch standhalten?
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