Heute ist der 30.05.2026, und die politische Landschaft in Berlin scheint sich wieder einmal auf den Kopf zu stellen. Die AfD hat mit Kristin Brinker eine Kandidatin für das Amt des Regierenden Bürgermeisters nominiert, und das ist ein bemerkenswerter Schritt, denn es ist das erste Mal, dass die Partei in dieser Rolle eine Frau ins Rennen schickt. Auf einem Parteitag in Brandenburg/Havel, wo die AfD keine geeigneten Räumlichkeiten in Berlin finden konnte, wurde die 54-Jährige zur Spitzenkandidatin gekürt. Dies geschah nicht ohne Widerstand, denn vor dem Tagungsort demonstrierten linke Gruppen gegen die Versammlung und forderten ein Verbot der AfD.
Brinker, die im letzten Herbst als Spitzenkandidatin auf Listenplatz eins gewählt wurde, hat sich in der politischen Szene einen Namen gemacht. Sie ist seit 2013 Mitglied der AfD und sitzt seit 2016 im Berliner Abgeordnetenhaus. Ihre Rede auf dem Parteitag war scharf und zielte vor allem auf die schwarz-rote Koalition ab. Das Ziel ist klar: Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September 2026 will die AfD stärkste Partei werden und die CDU hinter sich lassen. Aktuelle Umfragen zeigen, dass die AfD mit 17-18% knapp hinter der CDU liegt, die 19-20% erreicht. Offenbar wird es ein spannendes Rennen.
Ein Blick in die Zukunft
Kristin Brinker ist nicht neu in der Welt der Politik. Sie führte die AfD bereits bei der Wahl 2021 und auch bei der Wiederholungswahl 2023. Bei letzterer erhielt die Partei 9,1 Prozent der Zweitstimmen und stellt derzeit die kleinste Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Trotzdem ist die Ambition groß: Bei der kommenden Wahl strebt die AfD ein zweistelliges Ergebnis und deutliche Stimmengewinne an. Brinker kritisierte in ihrer Rede auch den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU), während der AfD-Bundesvorsitzende Tino Chrupalla Berlin als „chaotisch und schmutzig“ bezeichnete. Das sind starke Worte!
Das Wahlprogramm, das auf dem Parteitag beschlossen wurde, fokussiert sich auf Themen wie die Bekämpfung irregulärer Migration und die Abschiebung krimineller Zuwanderer. Außerdem sollen langjährige Berliner Bewohner bei der Vergabe kommunaler Wohnungen vorrangig behandelt werden. Ein klarer Plan, der auf ein Bedürfnis nach mehr Sicherheit und Ordnung abzielt – ob das für die Wähler:innen ansprechend ist, wird sich zeigen.
Die Stimmung in der Stadt
Die politische Atmosphäre in Berlin ist angespannt. Laut einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB) wird den Anträgen der AfD in deutschen Kommunalparlamenten in etwa 81 Prozent der Fälle nicht zugestimmt. Besonders in Ostdeutschland findet sich eine höhere Zustimmung zu AfD-Anträgen, während im Westen eine andere Dynamik herrscht. Die etablierten Parteien scheinen die „Brandmauer“ gegen die AfD nicht durchgehend aufrechterhalten zu können. FDP und CDU stimmten am häufigsten für AfD-Anträge, was zeigt, dass es in der politischen Landschaft durchaus Kooperationsbereitschaft gibt, zumindest bei bestimmten Themen.
Die Berliner AfD wird vom Verfassungsschutz nicht als gesichert rechtsextremistisch eingestuft, hat jedoch radikale Positionen. Das sorgt für weitere Spannungen, sowohl innerhalb der Partei als auch in der Gesellschaft. Brinker und ihre Mitstreiter:innen müssen sich also nicht nur mit der Konkurrenz auseinandersetzen, sondern auch mit den Protesten, die vor ihren Veranstaltungen stattfinden. In Jüterbog, wo kürzlich ein Parteitag abgehalten wurde, kamen mehrere Hundert Demonstranten, um gegen die Versammlung zu protestieren. Ein eindrucksvolles Bild von der Teilung, die die Berliner Politik prägt.
Wie es weitergeht? Die Antwort bleibt ungewiss, aber eines ist klar: Die kommenden Monate versprechen spannend zu werden. Die Wähler:innen werden entscheiden, wie sie die politischen Angebote der AfD und ihrer Mitbewerber:innen bewerten und welche Richtung sie für die Hauptstadt wünschen.
