Angriffe auf Diversität: Queerfeindliche Vorfälle an der Freien Universität Berlin erschüttern die Hochschulgemeinschaft
In den letzten Wochen hat das Institut für Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin (FU) traurige Schlagzeilen gemacht. Queerfeindliche und rechtsextreme Vorfälle haben für Aufregung und Entsetzen gesorgt. Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) sah sich gezwungen, alle Hochschulangehörigen per E-Mail zu informieren. Es ist einfach unfassbar, was in einer Institution, die für Diversität und Kreativität stehen sollte, passiert ist.
In der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober, während der Orientierungswoche, wurde eine Pride-Flagge vor dem Institut mutwillig abgerissen und am nächsten Morgen auf dem Boden gefunden. Das ist nicht das einzige alarmierende Zeichen: An Wänden und Türen einer genderneutralen Toilette wurden fünf große Hakenkreuze entdeckt, begleitet von Parolen wie „Love Nazis“, „AfD auf die 1“ und „FCK Linke“. Diese Schriftzüge waren offenbar alle in derselben Handschrift verfasst, was auf eine gezielte Aktion hindeutet. Die Hochschulleitung hat die Vorfälle scharf verurteilt und sie als Ausdruck von Queerfeindlichkeit und rechtsextremer Ideologie bezeichnet.
Reaktion und Maßnahmen
Die Institutsleitung hat umgehend rechtliche Schritte eingeleitet, und die FU unterstützt die polizeilichen Ermittlungen. Betroffene können auf Beratungsangebote der Universität zurückgreifen. Der Asta und die Fachschaftsinitiative Performative Künste haben sich klar positioniert: Sie dulden solche Taten nicht und rufen zur Solidarität auf. Die Studierenden werden ermutigt, Pride-Flaggen in den Institutsfluren und an Gebäuden anzubringen, um ein Zeichen gegen diese Übergriffe zu setzen.
Eine neue Pride-Flagge für das Institut soll beschafft werden. Angesichts der Vorfälle vermutet der Asta eine gezielte Serie von Angriffen auf Pride-Flaggen an Berliner Hochschulen. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich an der Akademie der Künste, wo in der Nacht vom 18. auf den 19. August eine Lichtinstallation mit Pride-Flagge zerstört wurde. Das Landeskriminalamt ermittelt auch in diesem Fall. Die Aufmerksamkeit auf diese Vorfälle ist unabdingbar, denn sie sind Teil eines größeren Problems.
Ein alarmierender Trend
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat in den letzten Jahren eine besorgniserregende Zunahme queerfeindlicher Agitation im Internet beobachtet, insbesondere im Umfeld des Pride Month und des Christopher Street Day (CSD). Rechtsextremisten nutzen diese Gelegenheiten, um ihre menschenfeindlichen Ideologien zu verbreiten. Laut dem BfV sind LSBTIQ-feindliche Inhalte besonders im digitalen Raum weit verbreitet und gehören zu den bedeutendsten Agitationsfeldern der rechtsextremistischen Szene. Es ist erschreckend, wie solche Ideologien in Zeiten, in denen Vielfalt gefeiert werden sollte, wieder Aufwind erhalten.
Im Jahr 2024 kam es bundesweit zu zahlreichen Störaktionen gegen CSD-Veranstaltungen, wobei die Teilnehmerzahlen teils dreistellig waren. Aktionen in Städten wie Bautzen und Zwickau zeigen, dass ein beunruhigender Mobilisierungsgeist in Teilen der rechtsextremistischen Szene entsteht. Die Akteure, die sich dort versammeln, stammen häufig aus gewaltorientierten Gruppierungen, die sich für ihre abwertenden und diskriminierenden Ansichten stark machen.
Die traurige Realität ist, dass queerfeindliche Einstellungen nicht nur auf der Straße, sondern auch in den Kommentarspalten und sozialen Medien verbreitet werden. Anfeindungen und vulgäre Angriffe sind an der Tagesordnung, besonders gegen sexuelle Minderheiten. Es ist eine beängstigende Entwicklung, die uns alle betrifft. Es gilt, sich diesen Strömungen entgegenzustellen und klarzumachen, dass Diskriminierung keinen Platz in unserer Gesellschaft hat.
Die Vorfälle an der FU sind nicht isoliert, sondern Teil eines besorgniserregenden Trends, den wir nicht ignorieren dürfen. Die Stimmen derjenigen, die für Gleichheit und Akzeptanz eintreten, müssen lauter werden. Es liegt an uns, die Flagge hochzuhalten – und das nicht nur symbolisch. Solidarität und Unterstützung für die LSBTIQ-Community sind jetzt wichtiger denn je.
