Heute ist der 10.05.2026 und in Berlin gibt es große Neuigkeiten im Bereich der dualen Ausbildung. Am 26. März 2026 wurde die Einführung einer Ausbildungsplatzabgabe beschlossen, die nicht nur für Arbeitgeber, sondern auch für die künftigen Azubis von Bedeutung ist. Das Ziel? Schaffung neuer Ausbildungsplätze und eine Stärkung der dualen Ausbildung, die bekanntlich für viele Jugendliche der erste Schritt in die Berufswelt darstellt. Ein Ausbildungsförderungsfonds wird ins Leben gerufen, um die ausbildenden Betriebe finanziell zu unterstützen. Ein Schritt in die richtige Richtung, könnte man meinen — oder vielleicht auch nicht?

Die Diskussion um die Ausbildungsplatzabgabe ist bereits jetzt heiß und kontrovers. In Bremen gibt es ein ähnliches Modell, das auch dort für reichlich Gesprächsstoff sorgt. In Berlin müssen Arbeitgeber eine sogenannte „Berufsausbildungssicherungsabgabe“ zahlen, die sich nach der Lohnsumme richtet. Hierbei wird der „Soll-Bedarf“ an Auszubildenden ohne Rücksicht auf die tatsächliche Ausbildungsbereitschaft der Betriebe berechnet. Das könnte die Betriebe vor große Herausforderungen stellen. Und sind wir mal ehrlich, die Idee, dass ausbildende Arbeitgeber pro Azubi und Jahr einen pauschalen Zuschuss erhalten, klingt erst mal verlockend. Aber was, wenn die Stellen unbesetzt bleiben?

Die Details der neuen Regelung

Die Abgabe wird auf Grundlage der Arbeitnehmer-Bruttolohnsumme ohne Sonderzahlungen berechnet und die Höhe wird noch festgelegt. Ein Bescheid darüber erfolgt durch die „Berliner Ausbildungskasse“, die am 1. Januar 2027 ihre Arbeit aufnimmt. Ab 2028 sollen die Abgabe und der Ausgleich beginnen — und wer jetzt denkt, das sei alles, der irrt. Die Betriebe können zudem einen Ausbildungskostenausgleich beantragen, dessen Höhe sich an der tariflichen Ausbildungsvergütung orientiert. In den ersten drei Jahren gibt es gestaffelte Zuschüsse: 100% im ersten Jahr, 50% im zweiten Jahr und 25% im dritten Jahr. Und nicht zu vergessen, ein zusätzlicher Prüfungsbonus von 25%, falls die Prüfung erfolgreich bestanden wird.

Aber es gibt auch Ausnahmen, die man im Hinterkopf haben sollte. Kleinstunternehmen, Unternehmen in wirtschaftlicher Schieflage und Soloselbstständige bleiben von der Abgabe verschont. Dennoch müssen die Unternehmer bis zum 31. Juli des Folgejahres die Bruttolohnsumme und die Anzahl der Auszubildenden melden. Die Ausbildungsplatzumlage wird regelmäßig evaluiert, was nicht unbedingt eine Entlastung für die Betriebe darstellt. Die IHK und die Handwerkskammer Berlin haben bereits die Abgabe als bürokratisch und kostenerhöhend kritisiert. Die Handwerkskammer weist außerdem darauf hin, dass viele Betriebe ihren Anteil an Ausbildungsplätzen schon übererfüllt haben. Komischerweise gibt es jedoch ein großes Missverhältnis, denn die IHK berichtet von 1.300 zusätzlichen Ausbildungsplätzen, während ein Drittel dieser Stellen unbesetzt bleibt. Wo sind all die Bewerber?

Aktuelle Situation auf dem Ausbildungsmarkt

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt zeigt sich ebenfalls als kompliziert. Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) stagnieren die Neuabschlüsse im Jahr 2024 nach einer Erholungsphase von der Coronapandemie. Es wurden 486.700 neu abgeschlossene duale Ausbildungsverträge verzeichnet, was einen Rückgang um 0,5 % im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Die Nachfrage nach dualer Berufsausbildung ist gestiegen, aber gleichzeitig hat das Angebot an Ausbildungsstellen abgenommen. Das sind nicht gerade rosige Aussichten für die jungen Leute, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind. Denn bis zum 30. September hatten 70.400 junge Menschen keinen Platz gefunden, was die Frage aufwirft: Wo bleibt die Unterstützung für diese Jugendlichen?

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Die Sorgen sind groß. BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser hat bereits seine Besorgnis über die stagnierenden Neuabschlüsse geäußert. Der Anteil der suchenden Bewerber an der Gesamtnachfrage ist auf 12,6 % gestiegen. Und während die unbesetzten Ausbildungsstellen um 4.000 gesenkt wurden, bleibt der Anteil unbesetzter Stellen an allen Ausbildungsplatzangeboten weiterhin hoch. Die regionalen und beruflichen Unterschiede bei der Besetzung von Ausbildungsstellen sowie der Versorgung der Jugendlichen sind deutlich spürbar und werfen ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, die vor uns liegen.