Aktivisten blockieren Rheinmetall-Standort in Berlin-Gesundbrunnen gegen Rüstungsproduktion
Am Dienstagmorgen, als die ersten Sonnenstrahlen über Berlin-Gesundbrunnen schimmerten, kam es zu einer unerwarteten Aktion. Kurz vor 5:30 Uhr klebten sich elf mutige Aktivistinnen und Aktivisten auf die Fahrbahn der Scheringstraße, direkt vor dem Standort des Rüstungskonzerns Rheinmetall. Ein starkes Zeichen des Protests, das die Stadt und die Polizei in Atem hielt. Rund 90 Polizisten waren im Einsatz, um die friedlichen Demonstranten von der Straße zu lösen. Bald darauf wurde der Abschnitt zwischen der Hussitenstraße und der Ackerstraße wieder freigegeben. Doch der Grund für diese Aktion geht weit über ein bloßes Aufeinandertreffen hinaus.
Rheinmetall ist seit Sommer 2026 in der Kritik, nachdem das Unternehmen am Standort des ehemaligen Pierburg-Werks die Rüstungsproduktion aufgenommen hat. Die Proteste gegen das Werk sind nicht neu. Immer wieder kommen Menschen zusammen, um ihren Unmut über die Rüstungsproduktion kundzutun. Eine der bekanntesten Stimmen unter den Demonstrierenden ist die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, die sich auch an früheren Protesten beteiligt hat. Ihre Präsenz verleiht den Aktionen zusätzlichen Nachdruck und Sichtbarkeit – nicht nur in Berlin, sondern auch weltweit.
Ein Stimmengewirr der Empörung
Doch nicht nur in Gesundbrunnen, auch am Montagmorgen versammelten sich etwa 40 Aktivistinnen und Aktivisten vor einem Rheinmetall-Gebäude am Pariser Platz in Berlin-Mitte. Unter ihnen war erneut Greta Thunberg, die die Aktion mit eigenen Videoaufnahmen auf Instagram dokumentierte. Die Gruppe „Peacefully against Genocide“ hatte sich formiert, um gegen die Rüstungsproduktion in Berlin-Gesundbrunnen zu protestieren. Der Plan war klar: durch zivilen Ungehorsam auf die Missstände aufmerksam machen und ein Zeichen gegen die Waffenlieferungen an die israelische Armee setzen.
Die Polizei reagierte schnell. Kurz nach 8 Uhr, als die Demonstrierenden sich auf dem Boden festklebten, wurden 39 von ihnen von den Beamten gelöst und erhielten Platzverweise. Drei Aktivisten wurden sogar auf ihre Identität überprüft, um zu klären, ob sie in Unterbindungsgewahrsam genommen werden sollten. Solche präventiven Maßnahmen zeigen, wie ernst die Polizei die Proteste nimmt.
Proteste im gesamten Land
Diese Aktionen sind Teil eines größeren Trends. Am 28. August 2026 blockierten 73 Menschen in verschiedenen Bundesländern, darunter Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen, mehrere Rheinmetall-Standorte. Die Organisation „Peacefully Against Genocide“ ist hier federführend und richtet sich klar gegen die deutschen Waffenlieferungen an Israel. Sie argumentieren, dass diese Waffen zur Zerstörung und zu Menschenrechtsverletzungen in Konfliktgebieten beitragen.
In Bonn beispielsweise besetzten Aktivisten die Zufahrten zu Rheinmetall Protection Systems. Die Protestierenden wollten die Produktion von Schutz- und Abwehrsystemen für Panzer und Flugzeuge stören. Die Blockaden fanden kurz vor dem „Rheinmetall Entwaffnen“-Camp in Köln statt, zu dem ein breites Bündnis zu Aktionen gegen die Rüstungsindustrie aufruft. Im vergangenen Jahr nahmen über 1.000 Menschen an ähnlichen Aktionen teil.
Die Stimmen der Aktivisten sind klar: Sie möchten das Bewusstsein schärfen und die Menschen dazu bewegen, über die Rolle Deutschlands im globalen Rüstungsmarkt nachzudenken. Es ist eine laute und eindringliche Aufforderung, die nicht ignoriert werden kann. Der Widerstand gegen Rüstungsproduktion und -lieferungen wird nicht verstummen, das steht fest.
